Nina Köberer: Jugendliche Medienkonsumenten als Rezipienten und als Produzenten – Medienangebotskompetenz als neues Aufgabenfeld der Medienbildung im konvergenten Mediengefüge.

21. Juni 2010

Mitschnitt des Vortrages von der Tagung der AG Medien im SDD, 2010 Dortmund. XXXX Abstract: Im Zuge der Digitalisierung und den „tiefgreifenden und rasanten Veränderungen der modernen
Medienkultur“, findet sich in zunehmendem Maße eine konvergente Medienentwicklung wieder
(Wissenschaftsrat 2007, 73). Dabei ist von Konvergenz auf Angebots- und Nutzungsebene zu
sprechen, wenn „die neuen Angebote, die entstehen, für sich genommen eine neue, zwischen den
Ausgangsmedien liegende Funktionalität“ erlangen (Hasebrink u.a. 2004, 10). Diese Medienkonvergenz
als ein Konglomerat aus Produktions-, Produkt- und Rezeptionsperspektiven und -aspekten hat – so der
amerikanische Medienwissenschaftler Henry Jenkins (2007) – einen kulturellen Paradigmenwandel
herbeigeführt: nämlich denjenigen vom „Zugang“ (access) zur „Beteiligung“ (participation). Dieser
Wechsel entspricht der stärkeren Beachtung der Rezeptionskontexte, denn in dem Moment, in dem der
Zugang grundsätzlich kein Problem mehr ist, fokussiert die (auch wissenschaftliche) Betrachtung
darauf, wie mit den Angeboten (individuell) umgegangen wird.
Medien wie das Internet, Computer und Handys sind multimedial, multifunktional und bieten den
jugendlichen Nutzern einen interaktiven Zugang, so dass
„die Vernetzung medialer Angebote inzwischen auch auf NutzerInnenseite zu einer
Medienkonvergenz [führt], die zusammen mit der Digitalisierung die klassische Dichotomie von
passiv-rezeptiv und aktiv-produktiv aufhebt – die MediennutzerInnen werden mehr und mehr zu
MedienproduzentInnen“ (Marci-Boehncke/Rath 2009, 13).
Besonders das Internet, die Mutter aller Medien (vgl. Rath 2003), hat die Organisation unserer
kommunikativen Systeme grundlegend verändert. Im Zeitalter der Einzelmedien waren Produktion und
Konsum zwei deutlich voneinander getrennte Kategorien, wohingegen im Internetzeitalter die Hersteller
und Nutzer von Medieninhalten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren (vgl. Bruns 2008, 5). Die
Konsumenten nehmen eine „hybride Nutzer/Produzenten-Rolle an, in der beide Formen der Beteiligung
untrennbar miteinander verwoben sind. Sie werden dadurch zu Produtzern (engl. Produsers)“ (ebd., 8f).
Medienkompetentes Handeln im Sinne der Fähigkeit „zur sinnvollen, reflektierten und
verantwortungsbewussten Nutzung der Medien“ (Medienpädagogisches Manifest 2008) sollte vor
diesem Hintergrund auch explizit den Aspekt des produktiv-gestaltenden Umgangs im Bereich der
Medienkompetenzbildung miteinbeziehen. Speziell die Dimension der Medienkritik (vgl. Baacke 1999,
34) darf dabei aus Nutzerperspektive nicht nur als kognitive Kompetenz im Sinne einer werturteilenden
Argumentationskompetenz verstanden werden, sondern muss um den Gestaltungs-/Produktionsaspekt
erweitert werden und sich dabei an normativen Kriterien orientieren. Konkret bedeutet dies, dass
Medienkritik mit Hinblick auf die Produzentenebene – v.a. im Kontext des Web 2.0 – aufgebrochen
werden und durch den Aspekt der Medienangebotskompetenz ergänzt werden muss. Diese
Kompetenzausbildung ist besonders relevant vor dem Hintergrund, dass jugendliche „Produtzer“ als Teil
des öffentlichen Systems agieren und aufgrund ihrer medialen Partizipation im Sinne der eigenen
Produktion von Medieninhalten, Öffentlichkeit (vgl. Habermas 1981) mitgestalten.
Medienkonvergenz mit all ihren inhaltlichen wie ökonomischen und institutionellen Aspekten erweitert
die Aufgabenfelder auch der Mediendidaktik Deutsch. Vor dem Hintergrund, dass jugendliche
Medienkonsumenten im konvergenten Mediengefüge zugleich Nutzer und Produzenten sind, soll in
um den Aspekt der
diesem Vortrag erörtert werden, warum Medienkompetenz
Medienangebotskompetenz ergänzt werden soll.

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